
Rothenseer Ritterwappen
Zu Zeiten Kaiser Ottos befand sich im Norden von Magdeburg eine Trutzburg. Der damalige Burgherr war der Graf Wilderer von Wildburg. Seit einiger Zeit kamen etliche Freier auf die Burg um die Hand seiner schönen Tochter Berta anzuhalten. Doch alle Freier wies sie sanftmütig ab. Der Raubritter Wolf von Rüdenstein fühlte sich gedemütigt und schmiedete einem Plan, um die Tochter von Wildburg für sich zu erobern.
Führte man den Weg von der Trutzburg aus nordwärts, so kam man zu einem dichten Wald aus dessen Mitte sich der finstere Krähenberg erhob. Die Sage erzählt, dass dort ein Zauberer seinen schwarzen Künsten nachging. Dort hatte sich auch der Raubritter Wolf von Rüdenstein mit einer gewaltige Raubburg niedergelassen. Als eines Tages Berta von Wildburg mit ihrem Gefolge an diesen Wald vorbeizog, nutzte der Raubritter die Gelegenheit und entführte Berta.
Im Zorn zog der Graf von Wildburg mit seinem Kriegsheer los, um seine Tochter aus den Fängen des Raubritters zu befreien. Plötzlich hörte man im Wald ein lautes Donnern. Ein riesiger feuerspuckender Lindwurm mit Dornenschwanz und sieben Köpfen, stellte sich dem Kriegsvolk entgegen. Das Heer wurde zerschlagen. Mit Mühe konnte der Graf von Wildburg den Kampfplatz verlassen.
All seine Männer sind im Kampf mit dem Lindwurm gefallen. Er setzte ein Schreiben an die Ritter des Reiches auf, in dem erbat den Lindwurm zu töten und seine Tochter zu befreien.
Als Preis bot er die Hand seiner Tochter. Ein junger Ritter, Georg von Ingenheim, war bereit gegen den Lindwurm anzutreten und besiegte ihn. Aus dem Herzen des Lindwurms quoll dickes dunkelrotes Blut. Ein langer Blutpfad ran durch die Landschaft und sammelte sich zu einen riesigen See. Das Magdeburger Kriegsheer stürmten mit dem Grafen von Wildburg und Ritter Georg die Burg des Raubritters von Rüdenstein. Berta von Wildburg wurde befreit und Tage später gab sie ihr Ja-Wort und heiratete den jungen Ritter.
Auf den Trümmern der Raubburg erichtete man ein kleines friedliches Dorf. Doch der Blutsee wollte nicht versiegen. So erhielt das Dorf den Namen: Rothensee.

Turmhaus
Erbaut wurde der Turm vermutlich von den Rittern von Rothensee die zwischen 1225 und 1313 nachgewiesen werden können. Neben einer Funktion als Symbol der Macht, diente der Turm vor allem jedoch dem Schutz der Bewohner vor Angriffen. Rothensee lag im Grenzgebiet zum Siedlungsgebiet der Slawen. In diesem Zusammenhang kam es häufiger zu Auseinandersetzungen. Der Turm erlebte jedoch häufige Eigentumswechsel. Während des Dreißigjährigen Kriegs gehörte er einem Hieronymus von Wüstenhoff, später einer bürgerlichen Familie, dann der Familie von Platen. Seit 1739 befindet sich der Turm im Besitz der Bauernfamilie Gerloff. Im 17. oder 18. Jahrhundert erfolgte ein Umbau des Turms, um die Bewohnbarkeit zu verbessern. im 18. Jahrhundert kam es zu einem Brand des nördlichen Fachwerkhauses.
Auch derzeit wird der Turm privat als Wohngebäude genutzt.
Architektur
Der dreistöckige aus Quarzitbruchsteinen erbaute Turm dürfte bereits aus dem 13. Jahrhundert, möglicherweise bereits aus der Zeit um 1200 stammen. Auf die Zeit der Romanik verweist auch eine Rundbogentür an der nördlichen Seite des Mittelgeschosses und ein allerdings vermauertes Rundbogenfenster. Der Turm weist einen annähernd quadratischen Grundriss von 5,60 m x 5,80 m auf. Am Fuß beträgt die sich nach oben verjüngende Mauerstärke 1,30 m, am oberen Ende noch 0,80 m. Die alten Fensteröffnungen des Turms sind bloße Schlitze.
Der heutige Keller hat ein Tonnengewölbe. Es wird davon ausgegangen, dass das vormals als Vorratsraum dienende Kellergeschoss ursprünglich ebenerdig war und erst im Laufe der Jahrhunderte durch das Wachstum der Bodenhöhe der Umgebung zum Keller wurde. Das Mittelgeschoss verfügt über ein spitzbogig ausgeführtes Kreuzgratgewölbe und einen in der südöstlichen Ecke befindlichen Kamin. Vermutlich im 17. Jahrhundert kam ein flachgedecktes Geschoss hinzu. Die einzelnen Stockwerke haben untereinander keine Verbindung und waren nur von Außen zugänglich.