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Magdeburger Nixen

Zu Magdeburg an einer Stelle der Elbe ließ sich oft die Nixe sehen, zog die überschwimmenden Leute hinab und ersäufte sie. Kurz vor der Zerstörung der Stadt durch Tilly schwamm ein hurtiger Schwimmer um ein Stück Geld hinüber; als er aber herüber wollt und an den Ort geriet, wurde er festgehalten und hinuntergerissen. Niemand konnte ihn retten, und zuletzt schwamm sein Leichnam ans Ufer. Zuweilen soll sich das Meerwunder am hellen Tag und bei scheinender Sonne zeigen, sich ans Ufer setzen oder auf die Äste anstehender Bäume und wie schöne Jungfrauen lange, goldgelbe Haare kämmen. Wenn aber Leute nahen, hüpft es ins Wasser. Einmal, weil das Brunnenwasser hart zu kochen ist, das Elbwasser aber weit und mühselig in die Stadt getragen werden muß, wollte die Bürgerschaft eine Wasserleitung bauen lassen. Man fing an, große Pfähle in den Fluß zu schlagen, konnte aber bald nicht weit vorrücken. Denn man sah einen nackenden Mann in der Flut stehen, der mit Macht alle eingesetzten Pfähle ausriß und zerstreute, so daß man den vorgenommenen Bau wieder einstellen mußte.

Quelle: Deutsche Sagen, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Brüder Grimm), Kassel 1816/18, Nr. 57


Der Hirsch zu Magdeburg

Zu Magdeburg, gegen dem Roland, stand vor diesem auf einer steinernen Säule ein Hirsch mit guldenem Halsband, den Kaiser Karl gefangen haben soll. Andere sagen, er habe ihn wieder laufen lassen und ihm ein gulden Halsband umgehängt, worauf ein Kreuz mit den Worten:

»Lieber Jäger, laß mich leben,
ich will dir mein Halsband geben.«

Und dieser Hirsch ist hernach zu Zeiten Friedrich Rotbarts allererst wiedergefangen worden.

Quelle: Deutsche Sagen, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Brüder Grimm), Kassel 1816/18, Nr. 440


Festhängen

Zu Magdeburg war zu seiner Zeit ein seltsamer Zauberer, welcher in Gegenwart einer Menge Zuschauer, von denen er ein großes Geld gehoben, ein wunderkleines Rößlein, das im Ring herumtanzte, zeigte und, wenn sich das Spiel dem Ende näherte, klagte, wie er bei der undankbaren Welt so gar nichts Nutzes schaffen könnte, dieweil jedermann so karg wäre, daß er sich Bettelns kaum erwehren möchte. Deshalb wollte er von ihnen Urlaub nehmen und den allernächsten Weg gen Himmel, ob vielleicht seine Sache daselbst besser würde, fahren. Und als er diese Worte gesprochen, warf er ein Seil in die Höhe, welchem das Rößlein ohne allen Verzug stracks nachfuhre, der Zauberer erwischte es beim Wadel, seine Frau ihn bei den Füßen, die Magd die Frau an den Kleidern, also daß sie alle, als wären sie zusammengeschmiedet, nacheinander ob sich dahinfuhren. Als nun das Volk dastand, das Maul offen hatte und dieser Sache, wie wohl zu gedenken, erstaunt war, kam ohn alle Gefähr ein Bürger daher, welchem, als er fragte, was sie dastünden, geantwortet ward, der Gaukler wäre mit dem Rößlein in die Luft gefahren. Darauf er berichtete, er habe ihn eben zu gegen seiner Herberge gesehen dahergehn.

Quelle: Deutsche Sagen, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Brüder Grimm), Kassel 1816/18, Nr. 253


Verkündigung des Verderbens

Als die Magdeburger im Jahr 1550, am 22. September, mit dem Herzog Georg von Mecklenburg Schlacht halten sollten, ist ihnen bei ihrem Auszuge vor dem Dorf Barleben, eine Meile Wegs von der Stadt, ein langer, ansehnlicher, alter Mann, der Kleidung nach einem Bauersmanne nicht unähnlich, begegnet und hat gefragt, wo sie mit dem Kriegsvolk und der Kriegsrüstung hinausgedächten. Und da er ihres Vorhabens berichtet worden, hat er sie gleich mit aufgehobenen Händen herzlich gebeten und gewarnt, von ihrem Vorsatze abzustehen, wieder heimzukehren, ihre Stadt in acht zu nehmen und ja des Orts und sonderlich in dieser Zeit nichts zu beginnen, weil eben auch vor zweihundert Jahren die Magdeburger auf den St.-Moritz-Tag und an demselben Orte, an dem Wasser Ohra, geschlagen worden; wie ein jeder, der es wüßte, in der Tafel der St.-Johannes-Kirche zu Magdeburg lesen könnte. Und würde ihnen, wofern sie fortfahren, gewiß auch diesmal glücklicher nicht ergehen. Ob nun wohl etliche sich über das Wesen und die Rede des Mannes verwunderten, so haben doch ihrer sehr viel ihn gespottet und die Warnung höhnisch verlacht, von welchen Spöttern hernach doch keiner in der Schlacht unerschlagen oder ungefangen geblieben sein soll. Man sagt, er sei als ein gar alter eisgrauer Mann erschienen, aber solches schönen, holdseligen, rötlichen und jungen Angesichts, daß es zu verwundern gewesen. Und demnach es leider gefolgt, wie er geweissagt, hat man allenthalben Nachforschung nach solchem Manne gehabt, aber niemand erfahren können, der ihn zuvor oder nachher gesehen hätte.

Quelle: Deutsche Sagen, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Brüder Grimm), Kassel 1816/18, Nr. 144

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